Libor-Hypotheken gibt es ab 2022 nicht mehr - und jetzt?

Spätestens am 1. Januar 2022 müssen Libor-Hypotheken ersetzt werden. Als Nachfolgerin kommen die Saron-Hypotheken. Was sich für Einfamilienhausbesitzer ändern wird.
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Viele Eigenheimbesitzer und Immobilieninvestoren setzen auf Libor-Hypotheken. Diese Hypotheken haben in der Regel eine Laufzeit von 2 bis 5 Jahren und einen variablen Zins.  Der Zins richtet sich nach dem sogenannten Liborzins aus. «Libor» heisst «London Interbank Offered Rate». Es ist der mittlere Zins zu welchem Banken weltweit gegenseitig Geld austauschen. Der Libor dient als Refernzzins für Liborhypotheken. Der jeweilige Zins für eine Libor-Hypothek setzt sich aus dem aktuellen Libor und einer fixen mit der Bank vom Kunden ausgehandelten Marge (zum Beispiel 0.4 Prozent) zusammen.


Libor wird beerdigt

Per Ende 2021 wird der Liborzins nun aber abgeschafft. Deshalb wird es ab diesem Datum auch keine Libor-Hypotheken mehr geben. Libor-Hypotheken sind sogenannte Geldmarkt-Hypotheken. Nachfolger der Liborhypotheken sind die Saron-Hypotheken. Es sind ebenfalls Geldmarkt-Hypotheken. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Libor-Hypotheken - nur dass der Zins nicht mehr an den Libor agenküpft ist, sondern an den Saron (Swiss Average Rate Overnight).


Unterschiede zwischen Saron und Libor

Zwischen den beiden Zinsen gibt es nicht unerhebliche Unterschiede, sie können sich auch auf die Hypotheken auswirken


1. Unterschied: Libor war international, der Saron ist schweizerisch

Der Saron wurde von der Schweizer Börse SIX entwickelt und wird auch durch sie publiziert. D


2. Der Libor hat eine längere Laufzeit, der Saron ist ein Tageszins 

Der Saron ist ein Tagesgeldzinssatz. Er wird für jeden einzelnen Tag aufgrund tatsächlicher Transaktionen neu berechnet. Auch der Libor erhielt zwar täglich ein Update, er galt aber jeweils für Gelder mit einer drei mindestens drei Monate dauernden Laufzeit. Dieser Unterschied dürfte sich für Hypothekarnehmer auswirken. Während Banken bei Libor-Hypotheken den Zins jeweils am Anfang der einer 3-Monatsperiode festlegten, legen viele Banken bei Saron Hypotheken den zu zahlenenden Hypothekarzins erst im Nachhinen, das heisst am Ende einer 3-Monatsperiode fest. Die Basler Kantonalbank schreibt in einer Publikation vom 27. Juli 2020: «Konkret auf die SARON-Hypothek bezogen heisst das, dass die Höhe des Zinssatzes und damit die Höhe der zu leistenden Zinszahlung nicht mehr wie bei der LIBOR-Hypothek am Anfang der Zinsperiode, sondern erst am vorletzten Tag der Zinsperiode festgelegt werden kann.» Diese Unsicherheit dürfte nicht jedermanns  Sache sein.


3. Libor und Saron: Unterschiedliche Zinssätze

Der Libor und der Saron werden fundamental anders berechnet. In der aktuellen Tiefzinsphase bewegten sich die beide Zinse auf sehr ähnlichem Niveau, die Differenzen waren bis jetzt gering. Wie der Sharon aber auf den Geldmarkt reagiert, wenn das allgemeine Zinsnieveau dereins wieder steigt, ist ungewiss.